Zeit für die eigene Situation
Entlastung darf beginnen, bevor die Kräfte fehlen
Hilfe muss nicht erst dann beginnen, wenn der Alltag kaum noch zu bewältigen ist. Häufig ist es sinnvoll, frühzeitig zu überlegen, welche Aufgaben gut funktionieren und an welchen Stellen regelmäßig Unterstützung gebraucht wird.
Eine verlässliche Entlastung schafft Freiräume, gibt Sicherheit und kann dazu beitragen, dass gemeinsame Zeit wieder stärker als persönliche Begegnung erlebt wird – und weniger ausschließlich von organisatorischen Aufgaben geprägt ist.
Eine Grundlage für das Familiengespräch
Die Aufgabenverteilung gemeinsam durchgehen
Für die gemeinsame Planung hilft es, die wiederkehrenden Aufgaben zunächst zu sammeln. Dabei können folgende Fragen Orientierung geben:
- Wiederkehrende Aufgaben
- Welche Unterstützung wird täglich oder mehrmals pro Woche benötigt?
- Bisherige Aufteilung
- Welche Aufgaben übernehmen Angehörige bisher selbst?
- Gewünschte Entlastung
- Wo entstehen Zeitdruck, Unsicherheit oder organisatorische Schwierigkeiten?
- Persönliche Wünsche
- Welche Gewohnheiten und persönlichen Wünsche sollen unbedingt berücksichtigt werden?
Passende Hilfe auswählen
Welche Aufgaben könnten andere übernehmen?
Entlastung kann aus verschiedenen Bausteinen bestehen. Ambulante Pflege unterstützt bei pflegerischen Aufgaben und ärztlich verordneten Maßnahmen. Hauswirtschaftliche Hilfe kann regelmäßig anfallende Arbeiten im Zuhause erleichtern. Betreuung und Alltagsbegleitung schaffen persönliche Ansprache, Orientierung und verlässliche Zeit im Alltag.
Welche Kombination geeignet ist, hängt immer von der persönlichen Situation ab. Einen Überblick über unsere Angebote finden Sie auf der Seite Leistungen. Einen verständlichen Vergleich bietet außerdem der Beitrag Ambulante Pflege, Hauswirtschaft oder Betreuung: Was passt?
Absprachen festhalten
Wer übernimmt was – und wer ist erreichbar?
Klare Absprachen helfen allen Beteiligten. Dazu gehört, gemeinsam festzulegen, welche Unterstützung gewünscht ist, wer bei Rückfragen angesprochen werden kann und welche Veränderungen zeitnah weitergegeben werden sollten.
Auch die pflegebedürftige Person sollte – soweit möglich – in die Planung einbezogen werden. Ihre Wünsche, Gewohnheiten und vorhandenen Fähigkeiten bilden die Grundlage für eine respektvolle und alltagstaugliche Unterstützung.
Ergänzende Unterstützung
Schulung und Beratung für Angehörige
Praktische Hilfe und eine akut auftretende Pflegesituation
Die Pflegekassen bieten kostenlose Pflegekurse an. Auf gemeinsamen Wunsch sind Schulungen auch zu Hause möglich.
Berufstätige nahe Angehörige können bei einer akut aufgetretenen Pflegesituation unter den gesetzlichen Voraussetzungen bis zu zehn Arbeitstage der Arbeit fernbleiben. Als Lohnersatz kommt Pflegeunterstützungsgeld auf Antrag in Betracht. Der Anspruch ist auf bis zu zehn Arbeitstage je Kalenderjahr und pflegebedürftiger Person begrenzt.
Beratungsbesuche bei Pflegegeld
Die Beratung unterstützt Sie bei der Pflege zu Hause. Wann sie verpflichtend ist und wie oft sie genutzt werden kann, hängt von den bezogenen Leistungen ab.
- Pflegegrad 2 bis 5, ausschließlich Pflegegeld: Seit 2026 ist einmal je Halbjahr ein Beratungsbesuch verpflichtend. Bei Pflegegrad 4 oder 5 ist auf Wunsch weiterhin eine vierteljährliche Beratung möglich.
- Umwandlungsanspruch ohne tatsächliche Pflegesachleistungen eines Pflegedienstes: Auch hier ist die Beratung verpflichtend.
- Pflegegrad 1 oder ambulante Pflegesachleistungen: Ein Beratungsbesuch kann halbjährlich freiwillig genutzt werden.
Die Kosten trägt die Pflegekasse beziehungsweise die private Pflegeversicherung. Die Regelung steht in § 37 Absatz 3 SGB XI. Dieser Beratungsbesuch ist von einer allgemeinen Pflegeberatung zu unterscheiden.
Wann eine Beratung per Video möglich ist
Auf Wunsch kann bis einschließlich 31. März 2027 jeder zweite Beratungsbesuch nach § 37 Absatz 3 SGB XI als Videokonferenz stattfinden. Der erste Besuch findet zu Hause statt.
Stimmen Sie die geeignete Form mit der Beratungsstelle ab. Ein telefonisches Gespräch ersetzt den vorgeschriebenen Besuch nicht automatisch.
Auch Ihre Belastung zählt
Die eigenen Grenzen offen ansprechen
Angehörige dürfen offen ansprechen, welche Aufgaben sie übernehmen können und wo Entlastung notwendig ist. Eine gute Aufgabenverteilung hilft, die Versorgung verlässlich zu gestalten. Die Pflegekasse berät zu passenden Leistungen und Angeboten.
Von der Planung zum ersten Kontakt
So bereiten Sie das erste Gespräch vor
Notieren Sie vor dem Gespräch die wichtigsten Aufgaben, offenen Fragen und gewünschten Entlastungen. Hilfreich sind außerdem der Wohnort, ein gewünschter Beginn und Angaben dazu, welche Personen bereits an der Unterstützung beteiligt sind. Sensible Gesundheitsdaten sollten nicht unverschlüsselt per E-Mail übermittelt werden.
Wie der Einstieg in eine Versorgung ablaufen kann, erklären wir ausführlicher im Beitrag Ambulante Pflege: So beginnt die Versorgung zu Hause. Weitere Informationen zur Unterstützung im Alltag finden Sie unter Hauswirtschaft und Betreuung zu Hause.