Vor dem Rundgang
Wohnumgebung und Gesundheit gemeinsam betrachten
Nicht jeder Sturz entsteht durch eine Teppichkante. Auch Muskelschwäche, Sehprobleme, Schwindel, ungeeignete Schuhe, bestimmte Erkrankungen oder die Wirkung von Medikamenten können das Risiko erhöhen. Deshalb sollte immer die persönliche Gesamtsituation betrachtet werden.
Wer aus Angst vor einem Sturz jede Bewegung vermeidet, kann Kraft und Gleichgewicht weiter verlieren. Welche Bewegung geeignet ist, sollte bei körperlichen Einschränkungen oder Erkrankungen ärztlich beziehungsweise therapeutisch geklärt werden.
Raum für Raum prüfen
Ein Rundgang durch Ihr Zuhause
Flur, Treppen und Wege
- Sind Laufwege frei von losen Kabeln, hochstehenden Teppichkanten und unnötigen Möbeln?
- Sind Treppen, Schwellen und Außenwege gut erkennbar und sicher begehbar?
Wohn- und Schlafbereich
- Ist die Beleuchtung auf Wegen, an Treppen und besonders nachts ausreichend?
- Sind häufig benötigte Gegenstände gut erreichbar, ohne auf Stühle steigen zu müssen?
Bad und Festhalten
- Gibt es im Bad rutschhemmende Lösungen und sichere Möglichkeiten zum Festhalten?
Sicher unterwegs
- Werden passende, geschlossene und gut sitzende Schuhe getragen?
Was ärztlich geklärt werden sollte
Gesundheitliche Faktoren nicht selbst verändern
Wenn Schwindel, Gangunsicherheit oder Sehprobleme auftreten, sollten sie fachlich abgeklärt werden. Medikamente dürfen wegen eines vermuteten Sturzrisikos nicht selbstständig abgesetzt oder verändert werden. Eine ärztliche Prüfung kann klären, ob Erkrankungen, Wechselwirkungen oder eine ungeeignete Dosierung eine Rolle spielen.
Hilfsmittel und Kosten
Gehhilfe und Hausnotruf passend auswählen
Eine geeignete Gehhilfe kann Sicherheit geben, muss aber passend eingestellt und richtig verwendet werden. Bei Menschen, die viel allein sind und ein erhöhtes Risiko haben, kann außerdem ein Hausnotruf erwogen werden. Ob eine Kostenübernahme möglich ist, prüft die Pflegekasse anhand der persönlichen Voraussetzungen.
Ein Hausnotruf wird getrennt vom monatlichen Budget für Verbrauchs-Pflegehilfsmittel abgerechnet. Vor dem Abschluss sollten Sie klären, welche Basisleistungen die Pflegekasse übernimmt und welche Zusatzleistungen selbst zu bezahlen sind. Üben Sie die Bedienung gemeinsam und stellen Sie sicher, dass das Gerät im Alltag erreichbar ist.
Erreichbarkeit und Zugang
Wie erreichen Sie nach einem Sturz Hilfe?
Notfallhilfe erreichbar halten: Besprechen Sie, wie nach einem Sturz Hilfe gerufen werden kann, wenn das Telefon außer Reichweite liegt. Ein Hausnotruf sollte im Alltag erreichbar und passend zur Person gewählt sein. Lassen Sie sich die Bedienung erklären; vereinbaren Sie außerdem, wie Helfende in die Wohnung gelangen können.
Notieren Sie gut sichtbar wichtige Telefonnummern und besprechen Sie, wer im Notfall Zugang zur Wohnung hat. Bei starken Schmerzen, einer schweren Verletzung oder Bewusstseinsstörung nach einem Sturz wählen Sie sofort 112. Auch nach einem zunächst unauffälligen Sturz sollten neue Beschwerden ärztlich abgeklärt werden.
Gemeinsam entscheiden
Selbstbestimmung bewahren
Sicherheitsmaßnahmen sollten gemeinsam mit der betroffenen Person besprochen werden. Ziel ist eine gut nutzbare Umgebung – nicht eine Einschränkung aus Sorge. Fachpersonen können helfen, Nutzen und mögliche Nachteile einzelner Veränderungen abzuwägen.